Ankommen

Weggehen ist das Eine. Wiederkommen das Andere. Was ist schwerer? Definitiv das Wiederkommen.

Ehrlich gesagt war das meine größte Angst. Warum?

Wenn man Urlaub oder Ferien hat, gibt es ein Verfallsdatum. Ein Datum, dem man nicht näher kommen möchte. Zwei Wochen entflieht man dem Alltag, lässt alles nervtötende zurück. Doch im Hinterkopf weiß man ganz genau, wann der Spaß wieder beginnt. Eine Gruselgeschichte für sich. Die Frage, ob man sich dann überhaupt so richtig entspannen kann, möchte ich mal offen lassen. Beginnen wir mit einer von meinen Gruselgeschichten. Ich nehme die unheimlichste von allen. Schau mal neben dich. Buh. Haha Spaß. Let’s start. Es waren die Osterferien 2015 glaube ich. Zusammen mit meiner Familie habe ich zum aller ersten Mal Europa verlassen. Es ging in die USA, nach Florida. Es war wie ein unwirklicher Traum. Nach 12 Stunden wurde er wahr und nach 15 Tagen war er vorbei. So wurde man aus der Realität rausgerissen und wieder hineingeschmissen. Tage und Wochen später noch, dachte ich zurück an die Zeit. Psychisch war ich noch nicht angekommen.

Ich glaube seitdem, leide ich an unheilbarem Fernweh. Wie oft habe ich in den Himmel geschaut und Flugzeugen nachgesehen? Ich habe mich hinein gewünscht. Reinbeamen und einfach weg. Wohin mag das Flugzeug nur fliegen? Und dann dachte ich immer, in wie vielen Stunden ich wo sein könnte. Doch irgendwann verschwand das Flugzeug am Himmel und ich senkte meinen Blick. Ich blickte um mich. Ich war da, wo ich immer war, aber gar nicht sein wollte. Ich war gefangen zwischen der Realität und Sehnsucht. Das ging dann so über die Jahre. Die Sehnsucht wurde immer größer und die Realität immer unerträglicher. Es gab Zeiten, da hatte ich den Sinn verloren. Irgendwann bestand mein Sinn darin, einfach das Abitur zu machen und dann adieu… So in etwa ist es dann auch passiert.

Doch alles kommt wie man so schön sagt, immer anders als man denkt. Und so kam Corona. Geschichte Ende.

Nein. Halt. Stopp. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Das war doch erst ein Kapitel und noch lange nicht die ganze Geschichte. Jetzt folgt das Ankommen, wovor ich am meisten Respekt hatte. Zurückkommen in das gewohnte Umfeld. Gefühlt hat sich nichts verändert und man selbst ist eine andere Person. So dachte ich. Doch ich lag falsch. Klar hatte ich mich verändert. Aber ich würde nicht unbedingt sagen meine Person hat sich verändert, vielmehr meine Wahrnehmung und Wertschätzung. Die jahrelange vertraute Umgebung kann sich unmöglich Schlag auf Schlag verändern und das ist ja auch irgendwie schön. Da ist sie, eine ganz neue Wertschätzung nach einem gewohnten und vertrauten Umfeld. Nach monatelanger Wanderhure schätzt man das und vieles mehr. Tatsächlich hat sich was verändert und zwar die Mülleimer. Es gibt keine Metallkörbe mehr, sondern orangefarbene Plastikmülleimer. Sie erinnern mich an Berlin. Es sind kleine Dinge, die sich ändern. Auch wenn es nur ein Mülleimer ist. Es ist anders.

Jetzt bin ich nun schon einen Monat wieder hier. Meine Rückreise hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt. Nicht unbedingt von dem Zeitpunkt her, sondern viel mehr von der Art und Weise. Ich wollte nicht fliegen, ich wollte langsam ankommen. Das ging prima mit einem Frachtschiff. Prima Primel Blume. Von New York nach Hamburg. Drei Wochen über den Ozean. Das wärs gewesen. Doch der große Unterschied vor einem Monat war, hatte ich keine Angst anzukommen. Ich wollte Ankommen. Ehrlich gesagt, hat es sich auch nicht mehr richtig angefühlt. Was ich am anderen Ende der Welt tat, wusste ich nicht mehr. Ich glaube psychisch war ich schon längst nicht mehr in Australien. So musste ich nur noch meine physische Reise antreten. Ich freute mich.

Inspiriert von der Sache mit dem Frachtschiff und dem Langsamreisen wurde ich von einem wunderbaren Paar und ihrem Film: https://www.weitumdiewelt.de/film/ . Nach ihrer 4 jährigen Weltreise fahren sie mit dem Schiff von Südamerika nach Spanien und laufen von da aus nach Hause. Sie L-A-U-F-E-N!!!! Mehr möchte ich nicht verraten… gönnt euch 🥰

Nun bin ich angekommen. Schwuppdiwupp. Am Anfang war es ein bisschen komisch. Vor allem kam ich mir in meinem Zimmer mega fremd vor. Es war viel zu groß. Ich war ummöbelt von viel zu vielen Dingen, die ich gar nicht brauchte. So bin ich in ein halb so kleines Zimmer umgezogen. Einen Kleiderschrank wieder zu haben war schön, doch auch unbehaglich. Es macht mich neuerdings ganz verrückt zu viele Dinge zu besitzen. Auch noch viele andere Dinge haben sich nach meiner Ankunft verändert, doch dazu wann anders mehr.

In den letzten Wochen wurde Corona zu meiner besten Freundin. Ich genieße es ausgesprochen nur Zeit mit mir und meiner Familie zu verbringen. Nach dem wanderhuren tat eine Pause einfach gut. Bis jetzt wurde mir auch noch nicht langweilig. Das liegt vielleicht daran, dass ich mich spontan dazu entschieden habe zu studieren. Ja, richtig gehört. Für das Wintersemester möchte ich mich für Kommunikationsdesign bewerben. Dafür muss ich eine Mappe ab geben. Bis Ende Mai habe ich noch dafür Zeit. Juhu. Das ist zur Zeit meine Muse.

Ich hoffe dir geht es gut 🧚🏼‍♀️

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