Perth

Bevor mein nächster Post zu meiner Heimreise kommt, wäre es ganz chronologisch sinnvoll etwas über meine sechs Wochen Australien zu schreiben. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung was, denn das ist auch schon fast drei Wochen her. Ich muss mal kurz nachdenken…

Die ersten Tage in Perth waren sehr schön. Endlich wieder Ordnung und Struktur. Feste Gebäude, Kirchen und Ruhe. Das tat gut. Ich selber hatte noch keinen Plan, was ich hier machen könnte. Ich wollte erstmal ankommen. An einem Ort verweilen. Ich wollte meinem Leben mal wieder ein bisschen Struktur geben. Schicksal oder nicht, fand ich noch am ersten Abend eine Gastfamilie. Zwei kleine Boys mit vier und zwei Jahren wurden zu meiner Struktur. Ein eigenes Zimmer mit Schrank zu haben war der Wahnsinn. Besonders begeistert war ich von der Spülmaschine. Sehr lange war mir dieses Objekt fremd. Natürlich das schönste war ein voller Kühlschrank. Wunderbar. Auch wenn es am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig war, sich bei Fremden zu bedienen.

In den nächsten Wochen lernte ich die Stadt und Umgebung besser kennen. Perth an sich ist überraschend eine relativ kleine Stadt mit zwei Shoppingalleen. Verschiedene Viertel machen die Stadt interessant. Geliebt habe ich Northbridge, die Orte am Meer und Fremantle. Die Strände waren hier riesig groß und lang. Das Meer war erfrischend kalt, trotzdem wurden die Wellen geritten. Wunderschön war der Sonnenuntergang in Cottesloe. Selbstverständlich habe ich auch die Quokkas besucht. Wobei die seltsamen Tierchen recht wenig an meiner Anwesenheit interessiert waren. Das sind irgendwie so Murmeltiere oder Bieber mit einem Rattenschwanz und hüpfen wie Kangaroos. Man könnte auch meinen es sind andersartige Kangaroos. Weltbekannt sind diese Tierchen durch ihr Dauergrinsen geworden. Always smiling and giving a fuck. Liebgewonnen habe ich die Quokkas durch ihre Einstellung eher weniger.

An meinem zweiten Wochenende ging es für mich mit meiner Gastfamilie ins Outback. Es war eine wunderschöne Erfahrung. Eine unendliche Weite. Orangefarbener Boden und wilde Kangaroos. Kaum verlässt man die Stadtgrenze, liegt vor einem das wilde, weit, ferne und stille Australien. Zurück in der Stadt ging mein Aupair Leben weiter. Bisschen Haushalt, Backen, Basteln und viel Spielen. Einmal war ich ein Krokodil, das Kind von einem vier- und zweijährigen, ein Busfahrer, der Anstumper und vieles mehr. Jeder Tag war anders, je nach Verfassung der Kinder. Doch trotz all dem, hat sich ein gewisser Alltag eingeschlichen. Alles wurde banal und vertraut. Ich kannte die Buszeiten, konnte mich ohne Probleme in der Stadt zurechtfinden und wusste wo-was-ist in den Supermärkten.

Besonders in den letzten Wochen habe ich meine Umgebung immer mehr mit Deutschland verglichen. Am meisten begann ich schöne Häuser zu vermissen. Hier sehen alle irgendwie so billig und klapprig aus. Auch die Infrastruktur ist ganz anders. Alles hat viel weniger Charakter, beziehungsweise Geschichte. Besonders aufgeregt hat mich das Busfahren, da weder Haltestellen angesagt wurden, noch angezeigt wurden. Manchmal hat der Busfahrer auch seine Fahrt irgendwo beendet und durfte dann den Rest laufen. Juhu. Was mich jedoch am meisten an Perth geprägt hat, waren die Obdachlosen. Noch nie habe ich sowas erlebt. Dagegen sind Obdachlose in Deutschland nichts. Mehrmals war ich Zeuge, wie Dinge gestohlen wurden. Sobald es dunkel wurde, sind die Obdachlosen wie Zombies durch die Stadt gelaufen. Ohne Witz, wie einige aussahen… Nachts alleine durch die Stadt, würde ich mich nicht trauen. Durch ihr Auftreten und Äußeres hat man sich leider mehr geekelt und hatte angst, als das man sie bemitleidet. Zum Teil waren einige auch echt proper. Vor allem als Corona immer mehr die Oberhand gewonnen hat, wurde Perth zu einer Walking Dead City.

Ja und ich wusste auch nicht so recht, was ich noch hier tun sollte. Vegetieren und auf die Erlösung warten? Wohl eher kaum. Ich entschied mich nach langem hin und her zu gehen. Sehr schade, einen so schönen Kontinenten unentdeckt den Rücken zu zukehren. Ich habe keine Koalas gesehen, keine Kangaroo Bilder, keinen Roadtrip gemacht und mein Work and Holiday Visum umsonst bezahlt. Very sad. Aber das Schöne ist, mir ist Australien vertraut und nicht mehr fremd. Ich weiß auf was ich gefasst sein muss, wenn ich wiederkomme.

Auf ein Wiedersehen, Perth 🙂 ein bisschen vermisse ich schon deinen Sonnenschein und Vibes…

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